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Greifswalder Traditionen
Universitätshauptgebäude der EMAU Greifswald
Universitätshauptgebäude der EMAU Greifswald
Andreas Mayer

Das Hauptgebäude der Universität Greifswald wurde in den Jahren 1747-1750 von dem damaligen Greifswalder Mathematikprofessor Andreas Mayer (1716-1782) entworfen. Auch der Bau wurde von ihm geleitet. Dies dokumentiert die bis ins 19. Jahrhundert hinein enge Verbindung von Mathematik und Bauwesen. Zivil- und Kriegsbaukunst gehörten ebenso wie Kartographie und Geodäsie zur angewandten Mathematik und zu den typischen Lehrgebieten der Universitätsprofessoren (siehe auch Ausstellungsthema Mathematiker als Künstler).


Nord- und Südfassade des Hauptgebäudes der Universität Greifswald

Im 19. Jahrhundert gab es an deutschen Universitäten typischerweise (neben dem Tanz- und dem Fechtlehrer) den akademischen Zeichenlehrer. Ihm oblag einerseits der allgemeine Zeichen- und Malunterricht für alle daran interessierten Studenten. Man bedenke dabei, dass die Herstellung wissenschaftlicher Illustrationen von Hand in dieser Zeit in vielen Fächern eine wichtige Rolle spielte. Andererseits war der akademische Zeichenlehrer aber auch häufig für die Ausbildung in darstellender Geometrie und Perspektive verantwortlich. Mitunter hatte er sich sogar um die Lehre der Elementargeometrie für angehende Mathematiklehrer zu kümmern.

Wilhelm Titel

Wie die Professoren mußte auch der Zeichenlehrer am Ende jedes Semesters die labores, d.h. eine Art Protokoll über die durchgeführten Veranstaltungen und deren Teilnehmer, abgeben. Aus den labores des akademischen Zeichenmeisters Johann Gottfried Quistorp (1755-1835) vom Sommersemester 1804 geht überraschend hervor, dass auch einige weibliche Personen, die damals nicht studieren konnten, am Zeichen- und Malunterricht teilgenommen haben. Außerdem sieht man, dass die Lehrveranstaltungen von Quistorp Bauwesen und Feldmessung umfaßten. Quistorp ist hauptsächlich als der erste Lehrer des berühmten, in Greifswald geborenen, romantischen Malers Caspar David Friedrich (1774-1840) von kunsthistorischem Interesse. Zu seinen Schülern zählte auch sein Amtsnachfolger Wilhelm Titel (1784-1851), der 1826 das Amt des Greifswalder Zeichenmeisters übernahm.


Johann August Grunert Gustav Salomon Tillberg

Andreas Mayer

Nordfassade des Hauptgebäudes der Universität Greifswald

Südfassade des Hauptgebäudes der Universität Greifswald

Wilhelm Titel

Johann August Grunert

Gustav Salomon Tillberg

Im Unterschied zu Quistorp hat er sich auf die künstlerische Seite seines Amtes beschränkt. Zu seinen Aufgaben gehörte es aber, jährlich zwei Porträts von Greifswalder Professoren für die Sammlung der Universität auszuführen. So entstanden zwischen 1831 und 1850 auch die Bildnisse des Mathematikprofessors Johann August Grunert (1797-1872) und des aus Schweden stammenden Physik- und Mathematikprofessors Gustav Salomon Tillberg (1777-1859). Grunert hatte durch die 1841 von ihm gegründete Zeitschrift Archiv der Mathematik und Physik als erster Greifswalder Mathematiker eine überregionale Bedeutung.


Neu belebt wurden in Greifswald die Beziehungen zwischen Mathematik und Kunst vor allem seit 1990 durch die Geometrieprofessoren Jürgen Flachsmeyer und Peter Schreiber. Im Studienjahr 1993/94 veranstalteten sie eine gemeinsame Vorlesung mit anschließendem Seminar zu diesem Thema. Daraus gingen interessante Seminararbeiten und mehrere Artikel in der mathematischen Schülerzeitschrift alpha hervor. Prof. Flachsmeyer hatte aber schon 1990 gemeinsam mit seinem Schüler Uwe Feiste ein Buch über Mathematik und ornamentale Kunstformen veröffentlicht. Zu dieser und weiteren Greifswalder Publikationen sei auf das Literaturverzeichnis verwiesen.

Seit 1997 hielt Prof. Schreiber mehrere Gast-Lehrveranstaltungen am Greifswalder Caspar-David-Friedrich-Institut für Kunstwissenschaften über Themen im Grenzgebiet zwischen Mathematik und Kunst:

  • Mathematik und Kunst (allgemein), Sommersemester (SS) 1997.
  • Albrecht Dürer als Mathematiker, SS 1998.
  • Perspektive, Bildinterpretation und optische Täuschung, SS 1999.
  • Bilderzeugung und Bildverstehen (gemeinsam mit Prof. Klaus Krüger, Caspar-David-Friedrich-Institut; diese Veranstaltung ist Bestandteil des neuen Studienganges Kommunikationswissenschaften), SS 2000.
Aus dem letztgenannten Thema entwickelt sich ein aktueller Forschungsgegenstand und eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Caspar-David-Friedrich-Institut sowie mehreren in- und ausländischen Kooperationspartnern, siehe dazu die Ausstellungthemen Perspektive und Darstellende Geometrie, Darstellende Geometrie im weiteren Sinn und Der Computer als Werkzeug der praktischen Kunst und der Kunstwissenschaft.

Am Rande sei bemerkt, dass das damalige Mathematische Seminar mit der kunstgeschichtlichen Sammlung und dem akademischen Zeichenunterricht von 1919 bis 1929 im Gebäude Bahnhofstraße 2/3 (heute Internationales Begegnungszentrum Felix Hausdorff) untergebracht war - Mathematik und Kunst unter einem Dach!


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